Mapstation – The Africa Chamber

Seit einigen Jahrzehnten gibt es an der Grenze zwischen Simbabwe und Sambia einen großen See, der während seiner Bauzeit nach der Königin von England Elisabeth-II-See genannt worden war. Mit einer Länge von 280 km und einer Fläche von bis zu 3000 qkm ist er einer der größten Stauseen der Welt. Heute nennt man ihn Karibastausee.
Warum ist eigentlich im Moment das musikalische Interesse an Afrika so groß?
Als der Karibastausee gefüllt wurde, mussten etwa 57.000 Menschen, die am Sambesi lebten, umgesiedelt werden. Von 1960 bis 1961 wurden in der Operation “Noah” etwa 6000 große Tiere und unzählige kleine eingefangen und ebenfalls umgesiedelt, weil sie vom steigenden Wasser, das heute auch schon mal in der Lage ist ein Erdbeben der Stärke 5 auf der Richterskala auszulösen, bedroht wurden. Das soll sich aber mit den Jahren wieder legen, das mit den Erdbeben, sagen die Seismologen.
Von Sambia weiß ich fast nichts. Von Stefan Schneider kenne ich da schon um einiges mehr. Von seiner Zeit bei Kreidler, von To Rococo Rot, Mapstation und seinen zahlreichen Kollaborationen. Nun ist also sein neues Mapstation-Album „The Africa-Chamber“ erschienen.
Gleich zu Beginn sticht das programmatische Sample eines afrikanischen Sängers heraus, eine Ansage. „Mchiki Cha“, das Eröffnungsstück spielt mit zahlreichen Verweisen auf Typisches an afrikanischer Musik. Der ostinat-melodische Bass mit starker Suggestivkraft und verschiedene Percussion-Patterns bilden Stefan Schneiders Basislager für eine afrikanische Reise auf verschlungenen Pfaden, die mit Nähe und Distanz spielt, mit Verständnis und mit Unverständnis. Eine Reise, auf der er sich zuweilen gewollt zu verlaufen scheint. Kann man sich ein wenig verlaufen? Wenn ja, dann gelingt es Mapstation hier. Oder da? Oder in der Kammer eines afrikanisches Schatzes und dessen Nachbildung.
Wie meist, geht Schneider sehr feinfühlig ja zurückhaltend mit seinem Thema um. Mal mit größerer Distanz, mal fast aus den Augen verloren. Dann mit dem entfernten Blick durch eine europäische Sonnenbrille, auf dem Rücken galoppierender Synthesizer, um sich schließlich wieder langsam anzunähern.
Auf der aktuellen Site zu der Veranstaltungsreihe „Dies Stück Zeit“ heißt es über Mapstation: „In diesen Tagen erscheint das neue Album “The Africa Chamber”, das eine fiktive, unauthentische Version von afrikanischer Musik vorschlägt.“ Ach so. Fiktion, Authentizität, Distanz; wichtig scheint mir vor allem Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem gewählten Thema, welche Mapstation mit “The Africa Chamber”einzulösen scheint. Wohltuend, ein wenig geheimnisvoll und streckenweise recht nachdenklich, besonders dann, wenn Annie Whitehead als Gastmusikerin Posaune spielt.
Vielleicht sollte man sich einfach freuen und umformulieren: Warum ist endlich das musikalische Interesse an Afrika so groß?
The Africa Chamber ist bei Scape erschienen.

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