Matias Aguayo – Ay, Ay, Ay

Tschilp, tschilp, tssich, ouuaahoo… Für das Konzept fast ausschließlich vokale Akte auf seinem ersten Soloalbum „Ay, Ay, Ay“ zu benutzen ist Matias Aguayo viel gelobt worden. Mit recht, so etwas kannte man doch bis dato nur von Björk mit “Medúlla“. Die Imitation maschinisierter Instrumentierung elektronischer Tanzmusik wirkt bei Aguayo wie ein individueller Befreiungsschlag, der die Skala der Konnotationen seines melodischen Oevres um traditionelle lateinamerikanische Musik in die eine und Humor in die andere Richtung erweitert.
Gleich beim ersten Stück entfaltet sich eine kaum an aktuellen, kanonisierten Minimalproduktionen beeinflusste Ästhetik. „Menta Latte“ macht klar, das Tempo ist entspannt und wird es auf ganzer Albumlänge auch bleiben. Die teilweise stark bearbeiteten Stimmensamples wirken nie nur als Gimmick und sind leichtfüßig versetzt arrangiert. Aguayo schichtet sie Schritt für Schritt auf unhektisch tänzelnden Grooves zu hohen Türmen auf. Am Ende singt er als immer größer gewordene Party-Family mit sich selbst auf der im Halbschatten liegenden Veranda. Als I-Tüpfelchen vielleicht hie und da noch ein Flötentönchen oder vielleicht eine Marimbafigur, aber aufgepasst, bitte kein Gramm zu viel. Und weiter geht es, schunkelnd bewegt sich die ganze Stimmenfamilie in Richtung Sonnenuntergang.
Die oft leicht melancholische sommerliche fast schwüle Stimmung, die ihre Referenzen jederzeit ernsthaft und weithin nach Südamerika auswirft wird von genug Variation auf Spannung gehalten, weil die Rhythmen Track für Track immer wieder neue Seitenwege gehen. Auf „Ritmo Juares“ z.B. scheint Buenos Aires gar nicht mehr so weit von Afrika entfernt zu sein, wie es der Atlantik doch vermuten lässt. Tradition ohne Zeigefinger.
Die Sehnsucht und die Suche nach Exotik, die Pyrolator 1981 mit seinem großen Album „Ausland“ in die elektronische Musik brachte, indem er Fragmente von Fieldrecordings, Samples spanischer Stimmen etc. in seine Musik einbaute, scheint fast 30 Jahre später von dem aus Chile stammenden Matias Aguayo mit „Ay, Ay, Ay“ auf wunderbare Weise eingelöst zu werden.
Ay, Ay, Ay ist bei Kompakt erschienen und hier als Stream zu hören.

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