Baroness – Blue Record

Deine Haare wehen im Wind. Falls mal kein Windchen geht, schmeisst du den Ventilator an. Nur wehendes Haar ist gutes Haar. Lange Haare bei Männern sind leider verpönt. In Frauenzeitschriften musst du lesen, dass das affig aussieht. Mist, das hat alles jetzt zwei Jahre gedauert und nun soll der Wildwuchs wieder ab? Gitarrespielen ohne fliegendes Mosh-Haar macht auch nur halb so viel Spaß. Der Vollbart ist das neue Metalindiz. Steht sogar in der Bravo. Baroness haben beides. Auch Muskel-Shirts mit blutigen Schriftzügen drauf.
Auf ihren Gitarrenkoffern sind Aufkleber wie Sludge- oder Stonerrock. Sänger John Baizley grunzt, brüllt und liebt es zwischendrin auch mal die Emo-Hupe zu drücken. Drummer Allen Blickle hat Eisenfüße mit denen er die Doppelbassdrum tritt. Die Gitarren fliegen wie angeschossene Kampfjets durch die Metal-Nostalgie. Das Wort „Epos“ muss hier mal wieder geschändet werden. Soundwände bauen sich in deinem Vorgarten auf. Härte wird mit Pop- und Folkmomenten ins rechte Licht gerückt. Savannah/Georgia wird zum neuen Hippie-Wallfahrtsort.
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Auch die letzten Headbanger lassen ihre Flusen fliegen und reissen sich ihr Billig-Bier ungestüm schon mittags auf. Jedes Gitarren-Solo wird frenetisch bejubelt, jeder Crash-Beckenschlag wird mit der Birne nachgestellt. Baizleys Mördergesang durchfährt dunkle Seitenstrassen mit dem Bonanza-Rad. Moderner Metal mit einem Augenzwinkern präsentiert. Die Dämonen sehen eher wie Kasperlepuppen aus und pusten deine Räucherstäbchen in null komma nix um. Mitbrüllpassagen machen immer Spaß und Baroness lassen sich nicht lumpen. Die Tapping-Gitarren lassen dich den alten Holzschläger aus dem Kleiderschrank holen. Deinen Alltagsblues wichst ein minütlich wiederkehrender Soloalarm aus der stabilen Seitenlage.
Die blaue Phase ist angebrochen und schimmert kräftig in der Mittagssonne. Knüppel aus dem Sack und spring durch dein Kinderzimmer. Schreib mit Edding „Physische Präsenz“ auf deinen Bierbauch und zeig ihn ungefragt deiner Klassenlehrerin.
Dein IPod rauscht öffentlich in der U-Bahn. Worte wie Intro, Outro oder Interlude gehen dir flüssig über die Lippen. Baroness machen Spaß und zitieren fleissig. Ein Biest-Epos in verspieltem Soundgewand. Metal gibt dir nach wie vor die Dosis Männlichkeit zurück, die du in der emanzipierten Welt so oft vermisst. Heimlich pinkelst du zu Hause im Stehen…

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