Devendra Banhart – What Will We Be

Devendra Banhart steht vor dem Spiegel. Natalie sagt, dass er den Rauschebart abnehmen soll. Mit einer Schere geht es los, um erst mal den groben Busch zu bekämpfen. Dem Majorlabel wird dies auch gefallen. Vielleicht werden die neuen Promofotos dann nicht mehr so freaky und Modemagazine wollen das Babypopo-Gesicht auf’s Cover nehmen. Nach einer Stunde wilden Trimmens sieht der Zausel schon ganz gut aus. Natalie lacht und freut sich über den tollen Moustache. Der Wickelrock und die Batiktücher kommen in den begehbaren Schrank.
Zwei Anrufe genügen und Strokes-Drummer Moretti steht in der Tür. Heute wird gejammt. Devendra trommelt auch noch andere Haudegen aus der Szene zusammen. Räucherstäbchen und Joints qualmen immer noch das Proberaum-Loft voll, doch die Stimmung ist nicht verkopft. Banhart will es fliessen lassen. Seine neuen Songideen werden mal zu Ende gedacht. Früher wurde in einem Song schon mal das Tempo gewechselt oder die Grundstimmung wurde von jetzt auf gleich mit dem Holzhammer geknüppelt. Skizzen waren das damals. Mittendrin war oft schon Schluss oder es wurde sich neu verzettelt.
Natürlich hat Banhart immer noch Flausen im Kopf und Flusen im Bauchnabel, doch er schielt schon mal Richtung Radiohit und Aftershow-Party.
Die Single „Baby“ holt den Wabbel-Funk aus der Muckerecke und schwoft liebestrunken durch Amerikas Luftschlösser. Devendra versucht sich der Tightness von Roxy Music zu nähern, ohne den Überdandy geben zu müssen. Da ist er lieber der großmaulige Jim Morrisson und predigt von der Bühne herab. Diese neue Klarheit verhilft dem Album zu Hits, die auch als solche spürbar sind. Ein Hauch von Afro-Pop gehört seit längerem in die Charts, da lässt sich Banhart nicht zweimal bitten. Jede Spur von Lo-Fi wird weg geschnieft.
devendrabanhart


„Chöre, wir brauchen Chöre“, lacht der Ex-Freakfolk-Barde. Die Band gibt ihr bestes und unterstützt den Meister in jeder Schieflage. „Angelica“ holt die Beatles aus dem Weißen Album und gibt ihnen spanisches Temperament. Der Bossa wird hier Nova. Zwischendurch muss natürlich eine kauzige Ballade triefen und die Akustikgitarre löchert uns mit Folk-Binsen. Verrauchter Barjazz torkelt auf Flip Flops über die Fifth Avenue. Hier wird schon länger stolz spanisch gesprochen. Die Latinos grinsen mit ihren Goldzähnen. Klaviere klimpern und alles hat die Sonne im Gepäck. Und wenn es mal zu hippieesk wird, kann Led Zeppelin- Getöse für Ruhe sorgen.
Natalie streichelt ihrem Lover über die Matte. „Schön, da werden ja die Kritiker einiges zu schreiben haben.“ Devendra lächelt. Pop hat ihn an die Leine gelegt, doch sein Köpfchen passt noch durch die Schlinge. Genug Auslauf bekommt Banhart und seine Ideen sind immer noch bezaubernd, doch ein Großteil des Spleens ist in Hollywood liegen geblieben. Für viele immer noch zu verworren, doch richtige Genickbrüche bleiben in der Hängematte.
„What Will We Be“ ist trotz allem ein frisches Stück Pferdefleisch. Entweder man steht drauf oder lehnt es strikt ab. Devendra Banhart bleibt für mich ein Slacker mit Purpfeife, der all sein wirres Zeug nun ins Großformat packt. Scheitern sieht anders aus.
Erschienen bei Warner

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