Ichi – Die blinde Schwertkämpferin

Zatoichi ist Japans berühmtester Samurai-Charakter. Shintaro Katsu und Takeshi Kitano verkörperten den blinden Schwertkämpfer bereits. So könnte fast Langeweile bei erwiesenen Asiafilm-Kennern aufkommen. Doch Regisseur Sori gibt dem Mythos ein neues Gesicht. Und ein hübscheres allemal. Die Rolle mit einer Frau zu besetzen, und so den Zatoichi-Charakter nur zu zitieren, steht dem Film ausgezeichnet. Und Haruka Ayase verzaubert den Betrachter schon nach wenigen Sekunden.
Die Geschichte ist trotzdem schnell erzählt. Die blinde Wandermusikantin Ichi reist mit ihrem Instrument und Blindenstock bewaffnet durch das Land. Sie spricht kaum und geht stoisch ihren Weg. Dass diese Reise auch eine Suche nach Antworten beinhaltet wird durch ihre kompromisslose Einstellung verdeutlicht. Alles und jeder, der sich ihr in den Weg stellt, wird mit feinster Kampftechnik aus der Laufbahn gesäbelt.
Nur ein traumatisierter Samurai, der nachdem er als Kind seine Mutter schwer verletzte nicht mehr kämpfen kann, erlangt Ichis Beachtung.
In Rückblenden sehen wir Ichis Vater. Ist er der berühmte Zatoichi? Hat er seine Behinderung an Ichi vererbt? Und wer sind die Mörder “Zatoichis”, die die junge Frau nun zur Rechenschaft ziehen will? In einem Dorf kommt es zum Showdown. Denn der Anführer der Bande, die das Dorf terrorisieren, scheint etwas mit “Zatoichis” Tod zu tun zu haben.
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Regisseur Sori spielt mit der Tradition, lässt ordentlich Blut spritzen. Tolle Kämpfe wechseln sich mit gefühlvollen Momenten ab. Ein Rachefeldzug, der ohne auf Humor zu verzichten, natürlich einige Klischees bedient. Das Männerbild wird schonungslos karikiert. Jeder Mann glaubt der beste Kämpfer zu sein, doch Ichi kämpft mit ihrer Vorstellungskraft, Gehör und Seele. Schöne Tänze brauchen Taktgefühl und Ichi schwebt über Leichen.
Die tollen Bilder und Kamerafahrten veredeln die gut konzipierte Geschichte. Sori zeigt nach “Vexille”, dass mit ihm zu rechnen ist. Und Haruka Ayase öffnet uns die Augen. Auch die Liebe scheint nicht ständig tausend Worte zu benötigen. Manchmal genügt ein Blick in die Herzen. Oder das Geräusch der Würfel im Knobelbecher. Ichi lehrt uns Stolz und wir begleiten sie gerne, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist und einiges auf der Strecke bleibt.
Erschienen bei Rapid Eye Movies

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