Rose – Les Souvenirs Sous Ma Frange

Keren Leloul steckt sich eine Rose an den Gitarrenhals. Das Publikum lehnt sich zurück. Die 30-Jährige Französin bedient sich ungefragt aus der Käsetheke. Alte, leicht verschimmelte Sorten kommen auf den Nachspeiseteller. Die jungen, frischen sind zu speziell, vielleicht sogar schwer verdaulich. Das Brot vom Vortag wird im Ofen aufgebacken. Eine gute Butter muss es aber schon sein. Auf dem Plattenteller drehen sich die Diven der vergangenen Jahrzehnte. Sogar Bob Dylan ist im Santa Claus- Kostüm vom Schlitten gestiegen und Janis Joplin röhrt so schön besoffen nach dem dritten Glühwein. Rose liebt diese alten Stimmen und Stimmungen. So greift sie zur Gitarre und schenkt uns Folk-Pop ohne Stinkekäse. Sauber und nett. Mit Lätzchen. Ihre Texte verglühen in Paris’ Seitenstraßen. Ohne von Gangs ausgeraubt worden zu sein. Mädchenmusik!
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Süß, aber austauschbar. Ihre Musik kommt nicht aus Frankreich. Ihr Herz und Zunge schon. Für eine Quiche-Party am frühen Abend ein gutes Mitbringsel. Die Gastgeberin wird dir ihren Platz am Kopf der Tafel überlassen. Sie blinzelt leicht verliebt. Da hätte aber auch eine Joplin-Best-Of oder eine schlechte Patricia Kaas gereicht.
Rose duftet gut, doch verfliegt nach wenigen Sekunden. Ein Billig-Wein ohne eigene Note. Vielleicht sollte Benjamin Biolay ihr seine Hand auflegen. Nach dem Quiche fragt mich die Gastgeberin, ob ich über Nacht bleiben möchte. Leider keine Zeit. Ich muss noch die Mona Lisa zu Hause umhängen. Vielleicht nächstes Mal. Luxusprobleme…
Erschienen bei Source/EMI

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