Mumford & Sons – Sigh No More

Wenn Söhne größer werden haben die Väter schon mal Tränen im Knopfloch. Wenn die jugendliche Rebellion nicht mit Fäusten sondern mit fliegenden Banjos untermauert wird umso mehr. Folk für das Volk. London vergisst Big Ben und die Röhrenjeans. Akustische Instrumente werden entstaubt und Songs dürfen ohne Coolnessfaktor in die Welt getragen werden. Große Gesten machen Coldplay.
Marcus Mumford ist der Wortführer. Seine Söhne brillieren im Hintergrund und lassen ihre Monster-Chöre wunderbar hymnenhaft aufblitzen. Die Geige und die Bläser versprühen alt.country in offenen Schuhen. Doch auch der gefällige Indie-Nerd erkennt Parallelen zu Arcade Fire und den Bartträgern Fleet Foxes. Wer Vergleiche braucht?
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Mumford & Sons erspielen sich ein eigenes Gesicht. Mumfords Stimme klingt zerbrechlich, kratzig und doch voller Energie. Erinnert irgendwie an John Roderick. Mumfords Songs sind schön zu Ende gedacht. Pompös geht es zu. Die Röcke werden aufgeschlagen und Strumpfbänder mit den Zähnen runter gerissen. Doch kurz vor dem Rausch steht meistens der Schmerz. Glück findet immer anderswo statt.
In Londons Straßen kann man sich schon mal verzetteln oder mit der Fußtrommel in der Pubtür hängen bleiben. Aber die überschwänglichen Chöre holen dich aus der Tristesse und das nächste Pint wird das Beste sein. Ganz ohne Spüli. Der Brit-Folk erlebt eine ganz unspießige Renaissance. Dobro und Banjo tanzen über den Tresen oder weinen öffentlich ohne Taschentuch. Geschneutzt wird in die hohle Hand.
Marcus Mumford grüßt in die USA und tritt unter dem Tisch Shane McGowan gegens Schienbein. Harmonien können töten, aber noch viel wichtiger, auch Leben retten.
Erschienen bei V2

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