Redshape – The Dance Paradox

Wenn über elektronische 4tel-Figuren elektronische 8tel-Figuren gewissen Spannungsdramaturgien folgend und meist auch zu einander versetzt päckchenweise geschichtet wurden, nannte man das meist Techno; ein in den letzten Jahren weitgehend abgeschlossenes Kapitel, zumindest was Innovation angeht. Selbst Minimal-Techno wurde seit einiger Zeit nur noch Minimal genannt. Ein weiters Indiz für eine eingetretene Distanz zu diesem Genre. Doch Redshape steckt nach wie vor mitten drin. Er entwickelt für uns aus technoiden Baustoffen eine dunkle Bedrohungslage.
Schnell bekommt man eine Ahnung davon, warum Redshape den Titel „The Dance Paradox“ gewählt hat. Wenn man sich in diesen Jahren mit Techno im Allgemeinen und dem Vermächtnis Detroits insbesondere beschäftigt, so muss Variation Berechtigung schaffen. Also schrammt Redshape auf „The Dance Paradox“ meist an den Grenzen von Techno. An der Grenze der Reduktion, wenn z.B. oft keine Bassfigur seine Tracks mehr trägt. An der Grenze der Verlangsamung, wenn es ebenso verwunderlich wie verdienstvoll ist, dass so manche Nummer immer noch tanzbar zu sein scheint. Und man sich zuweilen fragt, ist das überhaupt noch Techno? Im Sinne bekannter Hörerfahrung weniger, im Sinne obiger Definition zu jeder Zeit.
Redshape ist zugute zu halten, dass er mit seiner durchgängig exotischen Soundauswahl, die gleichsam neugierig wie retrospektiv geschmäcklerisch ist, mit seinen zuweilen abstrusen Mixtechniken, die einzelne scheinbar unwichtige Spuren fast fetischisierend in den Vordergrund stellen und mit seinen groß angelegten Spannungsbögen Stimmungen bedrohlicher Verlassenheit schafft. Das ist über weite Strecken schön anzuhören. Ob das jedoch reicht, um eine neue Techno-Diskussion anzustoßen, ist zu bezweifeln. Anspieltipp: „Man out of Time“.
The Dance Paradox ist im Oktober 2009 bei Delsin erschienen.

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