Die Oliver Minck Erfahrung – Die Oliver Minck Erfahrung

Oliver Minck ist angepisst. Sein Piano-Pop-Duo Wolke liegt auf Eis, der Erfolg blieb aus und er hat keinen Bock mehr. Keinen Bock auf Musik oder die deutsche Indie-Szene. “Pause, keine Musik mehr.”, denkt er sich und scheitert. Also schreibt er neue Songs, Songs über seine eigene Krise bevor die Krise über der Welt zusammenbricht.
Und nein, das ist nicht der Müll, der bei einer Schaffenskrise rumkäme. Dies hier ist ein Solodebüt, dass den überstrapazierten Begriff “ehrlich” verdient. Nicht nur musikalisch ist hier ein Unterschied zu Wolke auszumachen, sondern vor allem auch textlich. Besonders hervorzuheben ist “Frustrierter Typ” mit den jetzt schon legendären Zeilen “Und diesem Thees Uhlmann würde ich gern mal die Gitarre über den Kopf ziehen, dieses affige Kumpelgetue ist doch nur ein Marketingtrick, wieso merkt ihr das nicht – und ja, ich bin neidisch!”
oliminck
Grund dazu hat Oliver Minck aber gar nicht. Er ist definitiv der bessere Sänger von beiden, wenn nicht sogar einer der besten deutschsprachigen Sänger – das bewies er schon auf drei Alben mit Wolke. Und während Tomte sich immer mehr in Richtung kurzweilige Metaphern bewegen, bewegt sich Oliver davon weg. Wird konkret.
Musikalisch wird das passend unterstützt von einem Ensemble, das Kölner Szenegrößen unter sich vereint. Ekimas (Erdmöbel) hat produziert und greift zur Posaune, Friedemann Weise drischt das Schlagzeug (und das macht er gut!) und Jens Bachmann (Ex-Angelika Express) zupft E- und Kontrabass.  Das ist manchmal ziemlich rauh, nahezu rockig und dennoch verweilt es im Genre des Singer/Songwriters.
Oliver Minck hat ein herrlich bissiges Album geschaffen. Schön und stark, aber es beißt dir die Hand ab, wenn Du ihm Zucker gibst.

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