Kings Of Convenience – Declaration Of Dependence

Der Steckrübeneintopf schmurgelt auf dem Herd. Ein guter Rotwein atmet still vor sich hin. Die Kerzen beteuern eine Romantik, die mit viel Phantasie die schönste, je dagewesene verkörpert. Das Essen wird aufgetan. Das Grobgemüse duftet durchs verdunkelte Speisezimmer. Mit dem Piloten wird eine CD auf “Repeat” gestellt. Heute wird gefüßelt. Erst unter dem Tisch, dann zu vorgerückter Stunde in der Pofe.
Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe klampfen ihren norwegischen Bossa Nova nach wie vor wie kein Zweiter. Ihr zweistimmiger Gesang lässt die Danksagung für das Fire- und Policedepartment von Simon & Garfunkel wie einen Indianerschwur erscheinen. Einige Klopfer auf Holz genügen, um eine Rhythmik herbei zu zaubern. Wunderbar weich schleichen sich diese Kuschler durch den Herbst. Schönheit wird wieder groß geschrieben, obwohl Nerd-Brillen das Gegenteil bewirken.
Alles beim Alten also. Keine Überraschungen, auch keine vertrackten Kompositionen. Die Girls werden es den Jungs danken und somit auch wir. Sind die Mädels erstmal glücklich gestimmt bleibt das Wochenende federleicht. Beim Archivieren werden sie ihre Kings Of Convenience-Platten neben Jack Johnson und Jason Mraz einordnen. Wir Angeber-Musikfachidioten schieben die CD’s zwischen Tom Jobin und João Gilberto. Dort werden sie einstauben. Leider! Man isst halt nur einmal im Jahr Steckrübe.
Den beiden Norwegern wird das Schnuppe sein. Sie werden ihre Harmoniebögen weiter spannen. Zu schön, um wahr zu sein. Feist kommt nicht mehr auf nen Heringsstip vorbei. Fehlt aber auch nicht. Das Lagerfeuer knackt auch so. Die Party ist rum und die Mädchen leeren ihre mit Lippenstift befleckten Weingläser und blinzeln verliebt zu uns rüber. Okay, morgen gibt es noch mal Steckrübe. Versprochen.
Erschienen bei Virgin/Source

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