Not Available: Wicked Lester – Same / First Album (1971)

Kiss sind zurück. Gene „Die Zunge” Simmons und Paul „Starchild” Stanley spucken wieder Blut und neue Songs. 1971 gab es weder Schminke noch Kiss, aber Gene und Paul machten bereits gemeinsam Musik. Simmons holte Stanley 1970 in seine Band Wicked Lester, die damals noch Rainbow hieß. Nachdem man feststellte, dass es bereits eine Band desselben Namens gab, benannte man sich um und einigte sich schnell auf Wicked Lester, ein Name der nun auch nicht besser als Rainbow ist.
Dennoch war die Umbenennung mehr als nur die Furcht vor rechtlichen Konsequenzen. Ab diesem Zeitpunkt setzten die Leadsänger Stanley und Simmons verstärkt auf eigene Songs. Nach gerademal zwei Konzerten beschloss die Band im Herbst 1971 ein Demo in den durch Jimi Hendrix gegründeten Electric Lady Studios aufzunehmen. Stanley kontaktierte Tontechniker Ron Johnson, der sich die Band ansah. Johnson gefiel was er hörte und war bereits gratis Demos aufzunehmen in der Zeit in der das Studio nicht von bezahlenden Künstlern belegt war.
Johnson bot die Demos diversen Labels an. Ohne Erfolg. Alle lehnten Wicked Lester ab – lag’s am Namen?
Schrieb ich alle? Nein, Epic Records fanden ein wenig Gefallen an der Band, stellten jedoch eine Bedingung: Leadgitarrist Steve Coronel muss gehen. Gesagt getan. Stanley und Coronel konnten sich eh nicht riechen. Coronel ging und wurde durch Ron Leejack ersetzt, der dann in einer weiteren Audition für Epics A&R alle Zweifel beseitigen konnte.
Wicked Lester hatten ihren Deal – aber noch immer keinen besseren Namen. In dieser Konstellation nahm die Band nun also ihr erstes Album auf. Ein Mix aus eigenem Material und Coversongs, die Johnson der Band empfahl. Meistens Stücke die er bereits mit anderen Künstlern aufnahm.
Der Rest waren Songs die Stanley und Simmons schrieben, darunter u.a. auch „Sunday Driver“, das unter dem Titel „Let Me Know“ auf dem Debüt von Kiss zu hören sein wird und auf „Dressed To Kill“ (1975) greifen Stanley und Simmons auf die Stücke „Love Her All I Can“ und „She“ zurück.

Dennoch kommt es nicht zur Veröffentlichung. Trotz neuem Gitarristen und unterschiedlichen Mixen des Materials lehnt Epic die Platte ab. Epics A&R Don Ellis soll sogar gesagt haben, dass er die Platte hasse. Hier formte sich bei Simmons und Stanley der Gedanke einen neuen Weg einzuschlagen.
Als erstes legten sie ihre bürgerlichen Namen ab. Traten sie vorher noch als Gene Klein und Stanley Eisen auf, wurden sie nun zu Gene Simmons und Paul Stanley. Auch die Richtung war klar. Weg vom Pop, Folk und Country hin zum energiereichen Hard Rock. Doch da gab’s ein Problem. Die anderen Bandmitglieder.
Den erfahrenen Sessionmusiker Leejack wollten sie behalten und baten ihn die anderen Mitglieder Brooke Ostrander (Percussion, Flöte und Keyboards) sowie Tony Zarrella (Drums) zu feuern. Leejack wollte aber nicht das Arschloch sein und verließ stattdessen selbst die Band. Also entließen Simmons und Stanley die anderen beiden selbst. Über eine Anzeige fand man dann Peter Criss als neuen Schlagezuger und im November 1972 versuchte man nochmal Don Ellis von der Qualität der Band zu überzeugen.
Gespielt wurden drei Stücke, die auf dem ersten Kiss Album sein sollten. „Deuce“, „Strutter“ und „Firehouse“. Schon da waren die Mitglieder geschminkt, allerdings noch komplett weiß im Gesicht. Als die Band beim letzten Stück eine Alarmglocke einsetzt kommt es zum Eklat. Ellis denkt es wäre wirklich Feueralarm während Stanley einen konfettigefüllten Eimer über ihm ausleert. Ellis ist not amused und will gehen, stolpert und der betrunkene Bruder von Peter Criss kotzt auf ihn drauf. Ende, Wicked Lester hörten nie wieder ein Wort von Epic.
Die Band glaubte dennoch an ihren Erfolg und suchten per Anzeige einen Leadgitarristen und lockten mit der Phrase „Album Out Shortly“. Bereits im Dezember war Ace Frehley festes Mitglied und als man am 30. Januar seinen ersten Gig im neuen Line Up spielte war auch der dämliche Bandname verschwunden. Kiss waren geboren, der Rest ist Geschichte.
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Und das Album? Einzig und allein das Cover des unbetitelten Werkes sollte veröffentlicht werden. Für das Columbia Debüt von „The Laughing Dogs“ im Jahr 1979 wurde das Foto einfach verwendet.
Da Epic das Schwesterlabel von Columbia war hatten diese nicht nur die Rechte an dem Cover, sondern auch an der Platte selbst und 1976 wollte man auf dem Erfolg von Kiss mitverdienen und das Debütalbum von Wicked Lester veröffentlichen. Ein Remix der zehn Stücke wurde angefertigt, doch vor Veröffentlichung für 137.500 Dollar an Kiss verkauft, die die Platte nie veröffentlichten.
Erst 2001 wurden drei Stücke („Keep Me Waiting”, „She” und „Love Her All I Can”) offiziell auf dem Kiss Box Set veröffentlicht.

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