Klassiker: My Dad Is Dead – The Best Defense

Das Resteessen am nächsten Nachmittag lässt einen vorhergegangenen Partyabend oft noch schöner erscheinen und wenn Elefanten kämpfen ist der Rasen hinterher zertrampelt. Auch Mark Edwards ist ein Fan von Resteverwertung. Er bückt sich nach jedem nicht zermatschten Halm. Das Album “The Best Defense” ist ein Klassiker voller Leftovers.
Für eine EP wurden drei Stücke aufgenommen, doch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erschien diese nie. Auch 4-Trackaufnahmen, die im heimischen Wohnzimmer aufgenommen wurden, lassen “The Best Defense” noch zusammengewürfelter klingen. Die restlichen Stücke stammen aus einer anderen Albumproduktion. Verzerrte und verstimmte Gitarren bohren sich durch basslastige Rocknummern, die wage an The Cure erinnern. Nur die Haarlackfrisuren und der Lippenstift fehlen. Hier werden eher Narben geschminkt. Der “Anti-Socialist” lässt lieber der rohen Gewalt freien Lauf. Trotzdem versprühen die hingerotzten Songs eine Menge Popappeal. Auch Billy Bragg könnte seine Faust erheben, doch Edwards malt einfach noch schwärzer. Alles krankt, nicht nur die Politik.
Nach harten Strophen folgt oft ein Knaller-Refrain, der einem die Knie schlottern lässt. Der Bass, oder besser gesagt die Bässe, knallen unablässlich über schräge Gitarrenlinien und Edwards tiefe Depristimme kämpft sich durch laute Passagen. Die Indie-Perle von 1988 findet immer wieder den Weg auf den Plattenteller und man greift wieder genüsslich zu Dosenbier.
Die Instrumentalparts würgen nach zu viel gepriesener Popattitüde schon mal die Gitarrenhälse. Ähnlich wie bei Wedding Present. Die Drums spielen stumpf die Rolle des Taktgebers durch. Nur nicht zu viel Wirbel veranstalten. Joy Division-Tanzbarkeit erzeugt “Cut Out” und lässt die spitzen Boots über den Boden segeln. Einige Tänzer stolpern auch über die Schnürsenkel ihrer Chucks.
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“All Noises By Mark Edwards” steht auf dem Cover, doch hinter all dem Krach verbirgt sich ein Schmetterling mit bunten Flügeln auf der Suche nach Verbündeten. “It’s Not What You Said” vollführt die Kunst offene Gitarrenchords mit gegenläufigen Bassfiguren zu verbinden. Und Edwards holt die Kratzbürste raus und verfilzt unsere Haare.
Ein kleines Meisterwerk. Stachelig, doch voller Lieblingsmomente, die den Schmerz aushalten lassen. Aber die Löcher in meinen Augen werden dank Mark größer.
Erschienen bei Homestead Records

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