KISS – Sonic Boom

Gene Simmons schnalzt mit der Zunge. Bei einem Blick auf seinen Kontostand fließen ihm tonnenweise Schweißperlen über seine geschminkte Visage. Die zuletzt gekauften Karren in seinem Autopark sind noch nicht abbezahlt. Ein Anruf bei Kollege Stanley reicht aus. Überzeugungsarbeit muss nicht mehr geleistet werden. Stanleys künstliche Hüfte zwickt und sollte dringends erneuert werden. Ob die alten Kostüme noch passen? Weiternähen geht immer! Einfach ‘nen Keil hinten rein!
Die Tourmusiker Eric Singer und Tommy Thayer warteten eh in voller Montur in schlechtbeleuchteten Hinterzimmern auf ihren nächsten Einsatz. Simmons hat drei Songideen vorbereitet, das müsste reichen. Die Fans wollen doch eh nur die alten Kamellen, die packen wir ihnen noch als Bonus-CD mit drauf. Und für alle, denen die Konzertkarten der letzten Jahre zu teuer waren, gibt es noch eine Live-Show aus Buenos Aires auf  DVD.
“Feelgood-Rockhits” sind gleich elf Mal auf “Sonic Boom” gelandet, so dass Jon BonJovi sich wieder die Haare wachsen lässt. Jeder Song enthält ein amtliches Solo und Stanley lässt den Machoverführer raushängen und ruft seine One-Night-Stands zu Wiederholungstaten auf. Simmons singt mehr als früher und bluten tut er offensichtlich nur noch aus seinem offenen Bein.
Nach elf kisslosen Jahren geht die Party in die nächste Runde. Die Fans wühlen ihre alten löchrigen Shirts aus dem Kleiderschrank und wundern sich, dass auf ihren Hemden der Schriftzug anders ausschaut. Die Luftgitarre bleibt ein Déjà-vu. Gut, ist alles 37 Jahre her. Nun geht der Monster-Zirkus weiter und Stanley fliegt wieder über unsere Köpfe.
“Modern Day Delilah” ist als Single auserkoren worden, obwohl “Stand” vielleicht eher die heutigen Kids wuschig gemacht hätte. “Mama, darf ich mit Opis Zunge spielen?”
“Sonic Boom” ist unrelevante Musik für Mattenträger, FußpflegerInnen und Pyrotechniker. Oder für Fans…
Erschienen bei Roadrunner Records

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