Lawrence – Until Then, Goodbye

Da sind sie wieder, diese samtigen dunklen Stimmungen. Just in time, nun da die ersten Blätter fallen, und der Herbst an unsere Türen klopft. Peter Kersten alias Lawrence alias Sten ergeht sich wieder in seiner ureigenen Melancholie.
Immer offen bleibende Harmonien, sanft gestrichen wogen sie in zäh aufbäumenden Bewegungen zu geschwungenen Hügeln. Dazwischen kitzeln kleine Vibraphonfiguren jazzverwandtes Leben ein. Überhaupt sind Vibraphon und benachbarte perkusssive tonale Klänge ein Hauptelement auf „Until Then, Goodbye“, dem insgesamt vierten Lawrence-Album.
Die Überraschung kommt später, denkt man. Dann nämlich, wenn Lawrence, im Laufe des Albums vertrautes Terrain hinter sich lässt um sich, vielleicht ein wenig verspielt, zu verirren. Beat und Bass sind irgendwann verschwunden und das letzte Vibraphon steht langsam tropfend und verloren da. Wachsende Fragezeichen werden fast hörbar. Wohin soll die stilistische Reise nun gehen? Da, ein ätherischer Chor aus den Gefilden der Seligen weht Trost und ein kleines Filzmäntelchen herüber. Das dürfte dem mutigen Reisenden doch genügen, in aller Bescheidenheit.
Doch nein, es bleibt ein zähe und weiterhin unentschiedene Auseinandersetzung zwischen Downtempo-Technoidem und ambienten vielleicht sogar kammermusikalischen Farben. Denn bei „In Your Eyes“ ist die samtweiche Beat/Bass-Unterlage wieder zurück und fächert gekonnt verhallte Akkorde aus. Nun, wo soll es hin gehen? Eindeutige Tendenzen sind nicht erkennbar. Es bleibt ein stetes hin und her zwischen den Stilen. Reduktion, Ausfransen, Versponnenheit. Entschlussunfähigkeit. Abschied ist bekanntermaßen eine schwere Sache. Auf „A New Day“ taucht zum zweifelhaften aber nicht verzweifelten Beistand ein Klavier zur Hilfe und – eine Lautsphäre. Und da rahmt dann doch ein Hauch von einem Bogen, denn eine Sphäre hatten wir zu Beginn des Album schon einmal gehört. Nur ein Hauch, eine Ahnung von mehr Offenheit wird vermittelt, mehr nicht. Auf dem das Album beschließenden Titelstück treten die perkussiven Instrumente noch einmal in den Vordergrund, nicht nur das charakteristische Vibraphon, sondern auch verschiedene glasige Sounds und kontrastierende Pauken.
Schließlich: Peter Kersten steht auf einem halb bewaldeten Hügel, von dem aus selbst mit Feldstecher die Areale clubelektronischer Genres nicht mehr auszumachen sind. Kastanien fallen am Wegesrand.
“Until then, goodbye” ist bei Mule erschienen.

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