Prefuse 73 – Everything She Touched Turned Ampexian

Der Rhythmus der Loops ist feiner geworden, kleinteiliger. Weg von den breiten Beats des Hip-Hop. Hektik und Schärfe sind entwichen. Die Schlagzahl der Samplewechsel ist, verglichen mit gängigen Hörgewohnheiten, immer noch hoch, aber ihre Gesamtzahl ist geringer als auf früheren Prefuse 73-Alben. Es sind nicht mehr die brüchigen Samplegewitter, die uns um die Ohren gewickelt werden. So entstehen zwar nach wie vor vertrackt strukturierte Patterns und filigrane Muster mit hoher Bittiefe, doch der Gesamteindruck ist ein entspannterer.
Immer noch funky verzahnt, sind die Beats jetzt sehr weit zurückgelehnt und driften manchmal sogar ins Verklärte. Weiche Schemen, chorartige Hintergrundflächen, Spinettmotive, zuweilen sogar arpeggierte Akkorde auf einer akustischen Gitarre. Dünn blubbernde Oszillatoren vermitteln mehr Nähe zu Easy Tunes als zu den Vibrationen einer hochkochenden Jazzattitüde. Manchmal (Gaslamp Killer Feedback Text) drängt noch ein schwerer Hih-Hop-Rhythmus in den Vordergrund, aber der ist  so verklärt und verschliffen, dass er jeglichen juvenilen Biss verloren hat.
Scott Herrens sechstes reguläres Prefuse-Album ist ein recht nachdenkliches geworden. Die Materialien seiner erprobten Cut-Up-Technik sind nicht mehr nur in Jazz, Hip-Hop und Funk zu verorten, sondern auch in typischen orchestralen Kompositionen amerikanischer Soundtracks. Herausgekommen ist ein Album, das in seiner Dramaturgie von 29 Stücken, die in ihrer Mehrzahl nach wie vor als ineinander verwobene Miniaturen angelegt sind, eine Entwicklungskurve von gemäßigten Moods zu sehr schwach durchbluteten melancholischen Landschaften durchläuft. Am Ende von “Formal Decisions”, dem letzten Stück, ist alle verbliebene Kraft entwichen. Einzig als Hauch schwankt ein Restleben von Groove langsam im leichten Wind, raisonierend.
Retrospektion in Kontemplation ist die neue Ausrichtung: Was bei Luke Viberts Album “Rhythm” in diesem Jahr schon angedeutet wurde, jedoch nur oberflächlich behandelt, gerät bei Prefuse 73 zu meisterlicher Reife. Ein Patchwork-Kompostions-Album strahlt in seiner Besonnenheit Langzeitwirkung aus.
Schnitt – alles, was sie anfasste wurde so anders, so unbeschreiblich, dass es keine neuen Bänder mehr dafür gab, keine die greifen. Keine, die binden oder trennen. Keine Metaphern. Ein Wendepunkt? Vielleicht. Eine Berührung, die ein Leben verändern kann, auf jeden Fall.
Und ein Album für die Jahrescharts.
“Everything she touched turned Ampexian” ist 2009 bei Warp erschienen.

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