The XX – The XX

Ein Junge und ein Mädchen singen sich an. Sie hauchen ein paar Worte. Nichtigkeiten werden aufgebauscht. Alles ist schwarz. Auch der Dreck unter deinen Fingernägeln! Die Springerstiefel streifen kurz die Reid-Brüder am Kopf, doch deren Krach zu Psychocandy-Zeiten ist, für so Trauerweiden, zu laut. The XX brauchen nur ein paar Beats, getupfte Gitarren, um dem Tod von der Schippe zu springen. Die elf Duette plätschern genüsslich durch Gothic-Tüllstoffe. Süß wollen sie eigentlich gar nicht sein. Doch mit diesen Songs werden sie Cat Power-Symphatisanten aus der New Orleans-Schneise locken.
Mädelsabende werden nicht mehr nur zum telefonieren veranstaltet. Man sitzt im Kreis und hält sich an den Händen. Räucherstäbchen werden angezündet und es wird über White-Soul philosophiert. Welche Velvet Underground-Platte ist denn die Yo La Tengo-mäßigste?
Fingernägel werden natürlich gerne erst schwarz lackiert und dann geknabbert. Oliver Sim und Romy Madley Croft schlendern über Friedhöfe und lassen überall Liebesbotschaften mit Cure-Gitarrenläufen auf den Steinen liegen. Düster und doch so liebenswert.
Klein, aber fein. Wehmut und Wermut. In Liebesdingen so unerfahren säuseln sich unsere Protagonisten an und veranstalten VHS-Abende. Alte Tapes werden rausgekramt, auch die mit der Manchester-Reiseführung. Boy meets Girl. Der Trouble ist vorprogrammiert.
Ausreichend Platz lassen diese Lieder. Nichts wird zugemüllt. London wird als Hauptstadt akzeptiert und The XX reihen sich in eine lange Tradition ein. Dass sie privat, und in Youth-Hostels, Soul und Blues auf ihre Bademäntel gestickt haben, macht sie vielleicht so außergewöhnlich.
Die Stille vor der Stille. Melancholie kurz vor der Kolik. Jetzt wird die Kerze ausgepustet.
Erschienen bei Young Turks 

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