Wild Beasts – Two Dancers

Zum Tanztee rausgeputzt! Die Fliege sitzt zu eng am Hals, da kann man schon mal mit Kopfstimme auf die Frage nach der passenden, perfekten Schuhwahl antworten. Die Gitarre hängt übrigens unglaublich hoch. Nur in Jazzkreisen akzeptiert. Sie wird mit gepflegten, langen Fingernägeln gezupft. Die Pickings bimmeln sich elegant durch Tears For Fears-Sturmfrisuren.
Immer intensiver wird “Two Dancers” dann, wenn Hayden Thorpe von der Falsettlage in die tiefen Abgründe seiner Seele rutscht, um dort den erwachsenen Crooner zu verherrlichen. Doch oft kiekst und schluchzt Hayden sich durch fremde Betten. Immer auf der Suche nach frischen Frivolitäten.
Die Mädels fallen nicht von den Bäumen. Man muss sie schon runter singen!
Die Band um Hayden entwirft ein schwüles Szenario. Mit viel Brusthaar und kühlem Schampus auf den Amps werden alle Register des dynamischen “Kunstrockdiscobritpop” gezogen. Luxus für Besseraussehende. Rhythmen für Schlagzeugschüler mit Rot-Grün-Schwäche. In der Luft schwebt ein Hauch von schlechtem, billigem After-Shave und Fisherman’s Friend-Atem. Und getanzt wird eng. Die Hände liegen auf den Arschbacken der Anvertrauten und klopfen lässig das Revier ab.
Die Wild Beasts sind angekommen und sie schwitzen. “Two Dancers” schiebt sich wollüstig durch die Nacht. Jedes Wispern, jedes Raunen, jede Bassfigur hat einen sinnlichen Körper.
Eine der Platten des Jahres!
Bitte, eröffnet schnellstens eigene Hallräume und lasst die Erotik, mit all ihren Lastern, durch die Laken fluten. Egal ob zu zweit, zu dritt oder alleine. Und nicht nur tröpfchenweise…
Erschienen bei Domino

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