Mediengruppe Telekommander – Einer muss in Führung gehen

2003 war die Mediengruppe heiß. Ein Tipp, den ich gerne annahm und begierig ihre ersten EPs auf dem Enduro Label in mich einsog. 2004 war es für mich dann schon vorbei. Viele Tracks des Debüts “Die ganze Kraft einer Kultur”  klangen anders. Waren sie neu produziert und/oder gemischt? Die Roughness und Dringlichkeit der ersten EPs war auf jeden Fall nicht mehr da.
Das zweite Album “Näher am Menschen” ging dann vollkommen an mir vorbei. Und nun? Nun muss einer in Führung gehen und die Mediengruppe holt mich wieder ein. Nein, sie erkämpft sich einen kleinen Vorsprung. Ihr neues Album ist das Beste was ich seit langem an neuer Musik gehört habe.
Klar, das sind Parolen, aber genau das ist es was wir heute brauchen. Und es waren immer schon Slogans die die Texte der Mediengruppe prägten.
Dazu knallt und lärmt es mehr. Müsste ich den Sound in einem Bild umschreiben, so wäre es das einer apokalytischen Szenerie.

Zur Medien- und Gesellschaftskritik kommt textlich nun auch die Selbstkritik und eine bissige Aggresivität die ich lange misste. Hier ist sie also wieder. Endlich Musik, die dir mit Wohlwollen in die Fresse schlägt und das selbe von Dir erwartet. Da muss man keine Genrefizierungen wie Elektropunk, Nu-Rave oder ähnliches herbeiziehen. Hier ist endlich das Album der Mediengruppe, das man wirklich hören muss.
Ob es Dir dann gefällt ist egal, diese Musik will gar nicht gefallen. Und darin liegt ihr Reiz, in der Bereitschaft vollkommen an Dir vorbei zu schlittern trifft sie Dich mitten ins Hirn.
Erschienen bei staatsakt/Rough Trade

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