The Big Pink – A Brief History of Love

Selbstvergessene Verzierungen wabern in großen Hallräumen. Weinende Gitarren drängen aus allen Richtungen ins Zentrum. Überhaupt, die ganze Palette von Sound-Schichtungen und Effekten, die wir aus einer Zeit kennen, in der wir noch wussten, was Shoegaze bedeutet, wird hier geglättet abgerufen, und dann in Surround-Breite gewuchtet. Schwer atmende Gitarrenschleifen, dahingetropfte Tremolo-Reverbs. Darunter liegen Fulltempo-Akkordfolgen, die jederzeit ohne Wenn und Aber durchgezogen werden. Stimmenschichtungen, die immer unisono gesetzt sind, Ridebecken im Dauertest; alles bis zum Anschlag eben. Und wenn das noch nicht reicht, dann kann man noch einen Synthesizerbass im Untergrund für „A Brief History of Love“ sägen lassen.
„Shout it out loud … “ scheint das Credo von The Big Pink zu lauten. Dabei ist es offenbar nicht ihre Absicht ein verhuschtes Retromodell von Spacemen 3 oder Ähnlichen aufzulegen. Stattdessen verzieren sie eine unverhohlene Gitarrenpop-Mission mit schwarz-transparentem Tüll aus dunkleren Fächern bekannter 80er-Jahre-Kisten.
So perfekt die Produktion von „A Brief History of Love“ geschliffen ist, so schnell wird klar, dass The Big Pink als Chartsstürmer angesprochen werden wollen. Leider bleiben dabei ihre musikalische Individualität auf der Strecke und das Songwriting banal. The Big Pink kennen kaum etwas jenseits des Schemas Dominante/Subdominante/Tonika. Das ist ihre Hauptschwäche. Die gängigen Erwartungen an den zeitgemäßen Sound einer jugendlichen Gitarrenband erfüllen sie sehr wohl.
So bleibt vieles austauschbar. Auch die zu einem Einheitsbrei durchkneteten Anleihen bei My Bloody Valentine, Spiritualized, The Verve und den Chameleons können nicht verhindern, dass sich The Big Pink auf einer gesichtslosen Bühne inszenieren. „A Brief History of Love“ ist vielleicht halbwegs interessant, wenn man in den letzten 2 Jahren auf Sauerkrautdiät war. Ansonsten doch lieber Kissing the Pink
„A Brief History of Love“ ist bei 4AD erschienen.

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