Malzkorn – Expectations

Mit expressiven Effekten belegte Stimmen, Vocodereinsatz, sehr modisch. Elektronische Beats gondeln glockig und verquer durch ein spleeniges Bontempi-Land.  Es ist feucht und warm. Doch Malzkorn flaniert. Mit Schlendergroove und einem orthopädisch kaum nach zu vollziehenden Schlag in der Hüfte, der einen dennoch stets mitnimmt. In weitgehend unbekanntes Terrain.
Die Vocoder-Stimme feiert sich im Vordergrund, fett produziert mit reichlich Pseudo-Schmalz. Das ist ungewöhnlich. Das ist übertrieben. Das ist schön. Und obwohl die Stimme eine Maske auf hat, nimmt sie dich an die Hand mit einer Sanftheit, die ihrer Fremdartigkeit in nichts nachsteht. Sie führt durch eine groovige, fast humpelige Traumklanglandschaft, deren Orientierungspole James-Din-A4 und International Pony sind.
Dazwischen werden rhythmisch akkurat gesetzte Stimmsample-Fetzen eingestreut. Bröckchen für Bröckchen. Als stylisches Konfetti. Aufjaulend gepitchte Solo-Synthesizer mogeln sich dazu; dudeln aus allen Poren. Da wird der “Beatfox” schon mal zum gimmick-aufgeladenen Dada-Rap mit Computerspiel-Soundästhetik. Ironie gehört hier zum ebenso schillernden wie schwülstigen Geschäft.
Manchmal hat “Expectations” den Charme der Augsburger Puppenkiste, manchmal den eines Soulabends auf LSD. Angesäuselt torkelt man zwischen Gänseblümchenbeet und Espressobar. Dennoch fällt die Disco nie ganz aus dem Kopf. Die fünf Songs überraschen durch ihr ebenso originelle wie sperrige Kombination konträrer Elemente. Das Wagnis Ästhetizismus, Narzissmus und Ironie übereinander zu schichten geht auf.
Malzkorn ist das Projekt des Kölner Musikers Thomas Malzkorn. Seine beachtliche 5-Track-EP “Expectations” steht hier zum Download bereit.

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