Arctic Monkeys – Humbug

Alex Turner hat nicht einfach nur ‘ne Matte auf dem Kopf, sondern er trägt sie auch würdevoll, wie einst berühmte Fußballprofis. Doch nicht nur das Aussehen hat sich verändert. Die Sheffield-Prolls haben ihre Babyschuhe in die Ecke getreten. Jetzt wollen sie sich mit den Großen boxen. Natürlich ohne Handschuhe und Regeln. Turner hat seine Stimme gefunden. Er singt meisterlich. Morrissey wird sich demnächst mit seinen Tränen eine Tolle schmieren. So jung und frisch würd er gern heute noch klingen. Erwachsen sind die Affen geworden und ihr Trip in die Wüste hat sich mehr als gelohnt.
Josh Homme von den Queens Of The Stone Age holte das gesamte spielerische Potenzial aus den Jungs heraus. Ob da Feuerwasser im Spiel war? James Ford war in New York für die Pop- und Psychedelic-Steinchen anwesend. Wunderbar liebeskrank perlt sich “Cornerstone” zum Klassiker. Auch “Secret Door” lässt den Popper lächelnd vor dem häuslichen Spiegel zurück. Essensreste werden schnell mit Zahnseide entfernt. Man fühlt sich männlicher mit viel After-Shave. Auch die Single “Crying Lightning” klingt ausgefuchst.
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Und sind die Arctic Monkeys jetzt die Amis geworden, die man im Radio nicht mehr von anderen auseinander halten kann? Nur weil sie die Wüste und das unkaputtbare New York bereisten? Nein! Doch wo einem früher auf der Tanzfläche das Herz stehen blieb, das Tempo ungemein hoch war, ist heute das Surfbrett, mit Absinth eingerieben, und Heavy-Rock, mit Wolfsgeheule, in die Wüstensonne geworfen worden. Angenehm altklug wirken sie nun. Nur die Vollbärte fehlen ihnen noch, um sie endgültig ernst nehmen zu können.
Es steht ihnen gut zu Gesicht, dass Alex Turner endlich den Chef gibt und nicht mehr vor seinen Songs davon läuft, sondern sie nun wunderbar ausleuchtet. Er hält die Taschenlampe nicht mehr zittrig in die Schlangengrube. “Humbug” ist eine tolle dritte Platte. Doch da wird noch mehr kommen. Die Jungs haben nun Blut geleckt und nicht nur Josh Homme weiß, was das bedeutet…
Erschienen bei Domino

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