The Now Explosion: One Time Video killed nobody

Noch bevor am 1. August 1981 MTV als erster Spartensender im Bereich Musik in den USA auf Sendung ging, gab es einen Versuch Musikfernsehen zu etablieren. Die Rede ist hier nicht von Sendungen wie Beat Club oder Top Of The Pops und auch nicht von der Panoram, eine Art visuelle Jukebox, die in den 40er Jahren in einigen Bars aufgefunden werden konnte.
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Vielmehr geht es um The Now Explosion. Eine Sendung, die sich am Erfolg von Top 40 Radiostationen orientierte und zu Beginn 28 Stunden Programm am Wochenende lieferte. All das zehn Jahre vor MTV. Erfunden wurde das Konzept von Bob Whitney, der ein kostengünstiges Programm mit kommerziellem Inhalt produzieren wollte. Musik bot sich an, da die Inhalte vorgegeben waren und der Erfolg des Radios schien ihm Recht zu geben.
Revolutionär an seiner Idee war aber nicht die Idee selbst oder die Länge seiner Sendungen, sondern vor allem die technische und künstlerische Umsetzung. Whitney engagierte Amateure, die zu den Songs tanzten und performten. Um Geld zu sparen mietete er die Fernsehstudios in der Zeit, in der sie kaum genutzt wurden: Mitten in der Nacht.
Durch den 1969 eingeführten Grass Valley Video Switcher war es auf technischer Seite erstmals möglich zwischen verschiedenen Aufnahmen in Realtime hin und her zu springen, zu faden und zu überblenden. Die Produzenten bei „Now Explosion“ nutzten den Switcher wie ein Instrument und erschufen durch weitere Effekte und Bildverfremdungen Material, das man heute wohl am ehesten psychedelisch nennen würde. Aber genau diese Effekte wurden zum Trademark der Sendung, die sich immer größerer Beliebtheit erfreute.  Möglicherweise war dabei mehr Gras im Umlauf als nur der Grass Valley Switcher.
Nachdem „Now Explosion“ nur in Atlanta zu empfangen war ging es auch in anderen Städten wie San Francisco, Washington DC, New York, Boston und Sacramento auf Sendung. CNN Mogul Ted Turner wurde auf das Programm aufmerksam, der es einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Dennoch war nach nur 26 Wochen Schluss. Whitney hatte sich verkalkuliert. Allein eine Stunde Videoband kostete damals 300 Dollar. Er und seine Kollegen mussten die Bänder immer wieder überspielen um kosten zu sparen. Viele der Sendungen gingen so verloren.
2000 wurden durch die Universität von Georgia in Atlanta einige Videos wiederentdeckt, die seit drei Jahrzehnten in den Archiven schlummerten. Die Videos wurden restauriert und  können an der Universität eingesehen werden. Doch zum Glück nicht nur da, sondern natürlich auch im Netz: The Now Explosion

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