Not Available: The Style Council – Modernism: A New Decade

Für Paul Weller schien es 1989 nur logisch, mit seiner 1983 gegründeten Band Style Council, neue Wege zu gehen. Weg vom jazzigen Blue-Eyed-Soul hin zu House Music. Weg vom Pop hin zu „Garage“, wie dieses Genre damals von der britischen Musikpresse genannt wurde.
Was heute altbacken klingt, war damals progressiv. Doch eine solche Radikalität wollte man Weller und seinem Companion Mick Talbot nicht zugestehen. Der Erfolg der Band war schon länger nicht mehr der der Anfangstage. Obwohl die Qualität der Releases keinesfalls nachließ, war vor allem im Ausland der frühe Ruhm schnell verflogen. Und auch im United Kingdom lag die letzte Top Ten Single „It Didn’t Matter“ zwei Jahre zurück und die schaffte es auch gerade mal so unter die ersten Zehn. Gut, zwei Jahre ist gemessen an heutigen Standards vielleicht keine lange Zeit. Nur haben Style Council in diesen zwei Jahren mit einem neuen Album und vier Singles bewiesen, dass sie nicht mehr die Top Stars von einst waren.
Hinzu kam, dass Weller kein einfacher Künstler war. Politisch nahm er kein Blatt vor den Mund und auch in seinen Songs attackierte er gerne mal Margaret Thatchers Britannien. Und dass Style Council 88 unter dem Pseudonym „King Truman“ die Single „Like A Gun“ für das gerade neu gegründete Label Acid Jazz aufnahmen, missfiel Polydor ebenfalls. Die beriefen sich auf ihren Vertrag und ließen die Platte zurückziehen. Gerade mal 300 12inches kamen so in den Umlauf. Platte und Song wurden seitdem in keiner Weise wiederveröffentlicht.
Zusammen mit Sängerin und Ehefrau Dee C. Lee, dem Schlagzeuger Steve White nahmen Weller und Talbot dann „Modernism: A New Decade“ auf.
Im Februar 89 erschien dann die Vorabsingle „Promised Land“, die die neue Richtung vorgab. Auf der A-Seite der Deep House Klassiker von Joe Smooth aus dem Jahre 87, auf der anderen Seite die Lee,Talbot & Weller Komposition „Can You Still Love Me?“. Auch hier kein großer Erfolg. Gerademal Platz 27 erreichte die Single.


Und das war es dann auch für Style Council. „Modernism“ wurde von Polydor abgelehnt und der Vertrag mit der Band aufgelöst. Dies führte automatisch auch zu dem Ende der Band.
In der Tat sind die acht Stücke von „Modernism“ – „Promised Land“ wäre nicht auf dem Album gewesen – nicht so zeitlos wie die vorherigen Werke und Weller konnte noch so viel seine Stimmbänder quälen, schwarz wurde er dadurch auch nicht. Auf der anderen Seite kann man mit Sicherheit sagen, dass Weller und Co. ihrer Zeit voraus waren. Stand der große Erfolg elektronischer Dance Music doch erst noch bevor.
Wie dem auch sei. 1998 wurde das Album innerhalb der Boxsets „The Complete Adventures of The Style Council“ doch noch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und 2001 folgte ein Stand-Alone-Release in Japan.

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