Not Available: Nirvana – In Utero

Wie jetzt? Ist es schon so weit? Fällt Daniel Decker nichts mehr ein? „In Utero“ haben viele Leute im Schrank stehen. Die gibt’s doch!
Nun, geneigter Leser. Ja und nein. Vielleicht ist diese Platte tatsächlich nicht ganz korrekt in dieser Rubrik. Hier geht es um Steve Albinis „In Utero“, das was die Leute im Schrank haben ist Geffens Version von „In Utero“. Oder, um es weiterhin auf Personen zu beziehen, die von Scott Litt.
1992 waren Nirvana Superstars, Popstars ohne die Regeln des Pops je bewusst verfolgt zu haben. Cobain war dies zuwider, er wollte zurück. Weg vom Superstardom, weg vom Pop. Back to the Roots, zurück in Mamas Schoß: In Utero.
Also sollte das Album nach dem Megaseller „Nevermind“ sperrig und spröde sein. Laut und rau. Für diesen Sound suchte man sich Indielegende Steve Albini aus. Der Mann, der mit Shellac, Big Black und Rapeman selbst Musik machte und sich nur als Tontechniker sieht und die Bezeichnung Produzent aus seinem Wortschatz verbannte.
Ohne sich vorher zu treffen begannen die Aufnahmen am 13. Februar. Zuvor sprach Albini mit der Band jedoch über den angestrebten Sound: „Sie wollten genau diese Art von Platte machen, die ich gerne mache.“
In nur sechs Tagen nahm die Band mit Albini und dem Techniker Bob Weston das Album im Februar 93 in den Pachyderm Studios auf. Schnell, rau und kompromisslos. Und ohne äußeren Einfluss. Weder Plattenfirma, noch Management, noch A&R waren während der Aufnahmen zugegen. Sie machten alles so, wie sie es wollten.
„Es waren die einfachsten Aufnahmen, die wir je machten“, sagte Cobain später. In weiteren fünf Tagen wurde das Album dann abgemischt. Schnell für Nirvana, aber nicht für Albini, der normalerweise zwei bis drei Tage für einen Longplayer benötigt.
Direkt nach den Aufnahmen schickte die Band die ungemasterten Aufnahmen an ihre Plattenfirma Geffen sowie ihr Management. Das Feedback war ernüchternd, obwohl es doch genau das zu sein schien, was Cobain wollte.

„Unhörbar“ sei das Album und die Produktion wäre nicht tauglich für das Mainstream Radio. Trotz aller Kritik wollten Nirvana noch im April 1993 das Album in unveränderter Art veröffentlichen. „Ich mache nur eine Platte, die ich auch selbst gerne zuhause hören würde“, gab Cobain zu Protokoll. Auch enge Freunde der Band bestärkten das Trio in ihrem Vorhaben. Doch dann kamen Cobain Zweifel. Er war mit dem Mix nicht mehr zufrieden und bat Albini die Platte neu zu mischen. Der verweigerte mit der Aussage, dass er das Gefühl habe, dass die Zweifel nicht von Cobain selbst kamen und dies genau die Platte sei, die er machen wollte. Auch berief er sich auf eine Abmachung zwischen ihm und der Band, die besagte, dass ohne sein Mitwirken keine Songs geändert werden dürften.
Also hoffte man beim Mastern mit Bob Ludwig die Unstimmigkeiten im Sound zu beheben. Bassist Krist Novoselic war mit dem Ergebnis zufrieden, doch Cobain war sich unsicher.
Letztendlich fiel dann doch die Entscheidung, die „In Utero“ zu dem Album machte, was alle kennen. Nachdem Novoselic Albini überzeugen konnte, die einzelnen Spuren für Remixe doch herzugeben ging man zusammen mit Scott Litt (REM, New Order, u.a.) im Mai in die Bad Animals Studios. Man strich den berüchtigten Song „I hate myself and want to die“, der ehemals sogar Titel der Platte sein sollte, komplett vom Album, da schon genug lärmige Stücke auf der Platte seien.
Die Single „Heart Shaped Box“ wurde neu gemischt und zusätzlich nahm Cobain Akustikgitarre und Backing Vocals auf. Auch „All Apologies“ bekam einen neuen Mix verpasst. Insgesamt wurden Sound von Gesang und Bass hervorgehoben.
Später gab es noch einen Remix von „Pennyroyal Tea“, der als Single veröffentlicht wurde und bei einigen Nachpressungen die ursprüngliche Version ersetzte.
Im September kam „In Utero“ dann endlich in die Läden und schoss direkt auf Nummer Eins der Billboard Charts. Hat sich das Refinish gelohnt?!

Cobain war sich kurz vor seinem tot sicher, dass die Band mit „In Utero“ den falschen Weg eingeschlagen hatte. Nirvana seien eine Popband und das habe er zu akzeptieren.
Natürlich ist es leicht und passt gut ins klassische Bild des bösen Majors die Änderungen auf die Plattenfirma zu schieben. Dennoch kann man mit Sicherheit sagen, dass es auch innerhalb der Band enorme Zweifel am Endprodukt gab.
Albini dagegen hat die Änderungen nie verkraftet: „Vielleicht war ich etwas ignorant. Ich war weder bei den Gesprächen innerhalb der Band noch mit der Plattenfirma dabei. Ich weiß nur […] wir machten ein Album mit dem alle glücklich waren und ein paar Wochen später war es unhörbar und sollte neu gemacht werden.“
Auch behauptet Albini, dass mehr an dem Album verändert wurde als hier und anderswo festgehalten. Die veröffentlichte Version habe nicht viel mit dem zu tun, was er damals im April mit der Band aufnahm und mischte. Bob Weston, als sein Assistent einer der wenigen, die es beurteilen können, gibt ihm da recht. Das macht uns noch neugieriger auf seine Version. Auf Steve Albinis „In Utero“.
2003 erschien in England eine Vinyl-Neuauflage von “In Utero” die offensichtlich von einem anderen Master gezogen wurde. Insbesondere “Heart Shaped Box” und “All Apologies” unterscheiden sich von den bekannten Versionen, weshalb davon ausgegangen wird, dass es sich hierbei um Albinis ursprüngliche Version handeln solle. Allerdings wurde dies nie bestätigt. Dieses Exemplar hat die Bestellnumer 424 536-1, vielleicht eine Möglichkeit die erste Version doch zu hören.

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