Krikor & The Dead Hillbillies – Land Of Truth

Franzosen sind schon eigenartig. Krikor ist auch so ein verrückter Vogel. Seit zehn Jahren taucht er an verschiedenen Orten auf, um dann schnell eine neue Baustelle zu eröffnen. Labels werden gegründet, Tracks veröffentlicht und lustige Nebenprojekte aus dem Boden gestampft. “Land Of Truth” ist sein erstes richtiges Album. Die Synthies kratzen und stolpern über Bodennebel. Die Gitarren zerren und düstere Wavestimmen singen kühl. No Wave für Franzosen! So als hätten sich Suicide niemals umgebracht.
Einige Gäste helfen, um “Land Of Truth” noch experimenteller zu gestalten. Nicolas Ker von Poni Hoax oder Chloe singen gerne über Angst oder alte Zeiten, als Gefühle noch berührten. Das alles hat Minimaltechnoscharm. Auch der Schatten des House verdunkelt jeden Friedhof. Schnitz dir einen Sarg!
Es wird zu Tieren gesprochen. Kranky das Ganze, doch all die Versponnenheit hat ihren gewissen Grad. Immer wenn es ins Absurde abzudriften vermag, beginnen die Beats zu plockern oder es bürsten einen die fetzigen Gitarren ins Depeche Mode-Lager.
Folk-Rock der Sechziger und Rockabilly standen als Pateneltern an Krikors Bettchen. Es wird gezaubert, gesungen, gebratzt und geklöppelt. Ein Panoptikum aus Schwarzlicht und Darkroom, doch ohne den Holzhammer über den Scheitel zu ziehen oder die Nudel rauszuholen. Erstaunlich leicht, trotz all dieser Zutaten.
Die spinnen die Franzosen. Cure im Maschinenpark, aber ohne Schminke. Deine Haut ist weiß genug.
Elektronik geht neue Wege über altes Terrain.
Erschienen bei Tigersushi

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