Luke Vibert – Rhythm

Die Zusammenarbeit Luke Viberts mit Jean-Jacques-Perrey, die 2006 als “Moog Acid” betiteltes Album veröffentlicht wurde, hat Spuren hinterlassen. Im Adagio reiten wir auf einem abgehangenen HipHop-Beat als kleiner Gartenbahn durch die Gefilde der Seligen. Harfen hängen wie reife Früchte in den schwül klimatisierten Gewächshäusern. Die Orchideen stehen in voller Blüte.
Herunter gepitchte Hollywoodchöre tauchen aus dunstigen Schwaden auf, melodramatisch und auch sehr schwül. Man kann ihnen eine in Würde gealterte Schönheit nicht absprechen. Der Gärtner schwenk akkurat die Wasserschläuche. Früher war er choreografischer Leiter bei Esther Williams. Die Torfsäcke werden gleichmäßig im ganzen Gewächshaus verteilt, und den Mulch bitte nicht vergessen.
Luke Vibert schafft es über das komplette Album lakonisch seine langsamen und dürren HipHop-Loops auszubreiten. Darüber wandert eine immer schlank austarierte Mischung aus Easy-Listening-Elementen und Big-Orchestra-Gesten. Nachhaltiger Vocoder-Einsatz und manchmal dosierte Bläsersätze sind der sentimentale Kit, der das Gefüge zusammen hält.
Das schöne an diesem Album ist, das alles sehr vorsichtig und sanft arrangiert ist. Das macht die Reise durch Viberts Easy-Hop-Erlebnispark zu einem angenehm sentimentalen und disneyhaften Erlebnis, welches jedoch immer an der Oberfläche bleibt. Es sei dahingestellt, ob man sich in zwei Jahren noch daran erinnern wird. Was bleibt ist die Anmutung, es könnte der zeitgemäße Soundtrack zur Neuverfilmung von Evelyn Waughs Roman “Tod in Hollywood” sein. Und auf seinen Grabstein möge einst gemeißelt werden: ” … written, conducted and performed by Luke Vibert”.
“Rhythm” ist im Juli 2009 bei Sound Of Speed erschienen. Hörbeispiel gibt es hier.

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