Popkomm am Arsch – Gorny in der Trotzphase

Mitbekommen haben es ja viele, die Popkomm fällt dieses Jahr aus. Ich find’s nicht Mal schade. Ich war zweimal dort zu der Zeit, als sich die Musikindustrie noch selbst feiern durfte und man fette Stände hatte an denen niemand stand, weil Kundenkontakt oder überhaupt Kontakt nicht nötig war. Als Kleinstlabelbetreiber konnte ich mir die Ausstellerkosten eh nie leisten.

Was mich an der Sache aber wurmt ist Folgendes:
Während nämlich der Geschäftsführer Dr. Ralf Kleinhenz von “befriedigender Buchungen der Aussteller” spricht und Popkomm-Direktorin Katja Gross auch die Finanzkrise mitverantwortlich macht, klingt das beim Gründer und Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Musikindustrie Dieter Gorny anders. Er hat gleich Schuldige ausgemacht: “Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen.”
Gut, Krise jaja, aber dann auch wieder der Diebstahl? Auch wahr, Umsatzeinbußen sind für alle enorm hart, das erfahre ich am eigenen Leib. Aber nach dem Megawachstum der 70er und 80er, der Zweitverwertung in den 90ern und der Versäumnisse in letzter Zeit?! Darüber will ich gar nicht diskutieren. Das Problem, das ich mit seiner Begründung habe, ist einfach erklärt: Gorny ist also Vorsitzender der Musikindustrie Lobby und drängt die Regierung schon seit einiger Zeit Gesetze gegen Raubkopierer zu verschärfen. Er hätte es gerne wie in Frankreich, wo die Regierung trotz erheblicher Widerstände mit Internetsperren gegen illegales Filesharing vorgehen will.
Gorny ist keinesfalls doof, dennoch gemahnt er sich immer mehr als Nostradamus, so droht er in einem Interview mit der Welt: “Sie werden sich wundern, was den anderen Branchen noch bevorsteht.” Oder er denkt sich seltsame Systeme aus. So stellt er sich ein Punktesystem wie in Flensburg vor bei dem am Ende die Sperrung des Internetzugangs für eine bestimmte Zeit steht. Problem an dem Vergleich mit dem Autofahren ist halt, dass man mit einem Auto nur fahren kann und mit dem Internet eben nicht nur Musik saugen. Dabei hat die Popkomm das Problem selbst zu verwantworten. Sie hat sich u.a. nicht darauf umgestellt, dass in Zeiten von Filesharing das Livegeschäft immer wichtiger wird. Als Bands früher auf Tour gingen, um ein Album zu bewerben ist es nun umgekehrt, das Album bewirbt die Tour. Desweiteren sind die höchsten Umsatzeinbußen der Musikindustrie schon gewesen. Mittlerweile schrumpft man nicht mehr so schnell.
Irritierend, dass er dann auch bei so toll klingenden Sachen wie Putpat an Bord ist, aber man mag bezweifeln dass das Last.fm mit Videos Konzept auf seinem Mist gewachsen ist. Gorny macht sich mit seinem Auftreten und seinen Äußerungen zu einer Schießbudenfigur der Internetgeneration. Und irgendwie wirkt er wie ein Baby dem man sein Spielzeug wegnimmt und jetzt ist er halt in der Trotzphase angekommen. Wenn Ihr nicht macht, was ich will, dann mach ich halt auch nichts. Bähhh. Also keine Popkomm und hier stellt sich dann die Frage ob die Lage tatsächlich so katastrophal gewesen wäre, oder ob Gorny nicht einfach übertreibt ein Zeichen setzen will um seine Position zu stärken und die Politik zu drängen?!
Bitte liebe Politiker rettet doch endlich Dieter Gorny, oder setzt ihm einfach nur ein Stoppschild vor seinen Mund, oder gibt ihm seinen Schnuller zurück. Sonst sagt er noch putpat.tv ab und holt Mola ins Fernsehen zurück. Und das wäre dann tatsächlich der Untergang.

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