Berry – Mademoiselle

Mit dem alten Citroën brummt Berry los. Das Kassettendeck schwächelt, so dass sie am besten gleich eigene Liedchen trällert.
Federleicht singt es sich immer noch am schönsten. Nicht zu laut, da die Stimme geschont werden muss für laute Diskussionsabende am Lagerfeuer über den Untergang des Chansons. Der Mainstream hat den Chanson längst geschluckt. So schwappen immer mehr Chanteusen der neuen Schule zu uns frankophilen Baguetteverzichtern herüber.
Berry macht eigentlich alles richtig. Sie flüstert auch gern mal ein paar Zeilen. Akustisch geht es zu und die dunkle, herbe Stimme von Songwriter Manou untermalt Berrys textliche Belanglosigkeiten. Ein englischsprachiges Lied mit dreißigmal “Love” im Text verzückt dennoch durch Schunkelbeat und süßen Akzent.
Ach, darf man über Berry hart urteilen? Alles ist nett gemacht, nichts stört und das Album hat diese alte Radioromantik, die früher noch lange Autofahrten zu wunderbaren Trips machte und jeder Song noch deutlich mit Interpret und Titel angesagt wurde.
“Mademoiselle” ist eine typische Mädchenplatte. Pianoklänge wie aus dem Ballettunterricht. David Hamilton würde bestimmt gerne seine Weichzeichnerbilder zu diesen Gänseblümchenliedern in der Dunkelkammer vergrößern. Wer etwas innovatives braucht sollte lieber bei Camille oder Francoiz Breut reinhören. Berry fährt zu vorsichtig. Und dass die Autobahnen in Frankreich immer voll sind, sollte sie eigentlich wissen. So bleibt sie eine von vielen und wird nur wenige Mädchenherzen in Wallung bringen. Trotzdem merci und bon voyage…
Erschienen bei Mercury

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