Klassiker: Rachel Sweet – B.A.B.Y. The Best Of Rachel Sweet

Kinderstars sind nicht zu beneiden. Sie kommen zu früh, zu viel rum. Die Schule wird nur noch für Aufführungen oder Autogrammstunden in der Aula aufgesucht. Wer Talent besitzt hat es nicht leicht… Als Rachel Sweet mit sechzehn bei Stiff Records unterschrieb, hatte sie schon eine zehnjährige Showbizerfahrung in den USA auf ihrem zarten Buckel. Die Countrycharts hatte sie bereits schon mal beschnuppert. Da bei Stiff nun die Talentglocken bimmelten, wurde dann der ganz große Durchbruch erhofft.
Mit Schulmädchenscharm ging es 1978 mit B.A.B.Y. los. Die Top 40 wurden geknackt. Doch viel mehr wollte nicht passieren. Das Album floppte auf ganzer Linie. Ein Imagewechsel musste her. Die Schulmädchenuniform wurde gegen kühles Leder eingetauscht. Auch ihr alter Produzent Liam Sternberg wurde schnell ersetzt.
Sweet schrieb nun auch einige Stücke selbst, die sogar mehr als passabel waren. Das zweite Album bei Stiff war leider auch das letzte dort. Das Showbiz gönnte Sweet keine Pausen und Durststrecken schon gar nicht. Ein großes Label musste her. Columbia übernahm und zerstörte die musikalische Laufbahn Sweets für uns Musikliebhaber. Zwar gab es noch die Coverversion von “Everlasting Love“, doch der Rest war Grütze. Dann rief die Filmbranche und Barbie durfte synchronisiert werden.
Egal, Rachel Sweet hat tolle Songs geschrieben und gesungen. Eine starke Stimme für so ein junges Ding. Kraftvoll und voller Pathos. Beeindruckend! Und die Mischung aus Country und New Wave hört man auch nicht alle Tage. Dieses Best Of zeigt Sweet zu ihrer Stiff-Zeit und für mich zu ihrer leider oft vergessenen.
“Take good care of me.” Das hatte sie selbst leider damals vergessen.
Erschienen bei metro

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