Jarvis Cocker – Further Complications

Die Krawatte sitzt ein bißchen lockerer. Vielleicht werden sogar die spitzen Chelsea-Boots bald durch klobige, nietenbesetzte Stiefel ersetzt. Jarvis Cocker, der Überdandy neuerdings in Paris zu Hause, lässt den Rocker raushängen. Glam- und Bluesrock infizierte Songs und lange, zuckrige Balladen, die nach einer Weile ungestüm aufgehen, wurschteln sich so durch. Produziert wurde das ganze von Steve Albini im Electrical Audio in Chicago.


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Zwei bis fünf Bier helfen gewaltig einen Zugang zu finden. Hat man sich an dieses altbackene Monster gewöhnt, lächelt und post man vor dem Spiegel und holt die Luftgitarre aus dem Sideboard. Cocker textet sich unbeeindruckt durch Rocklandschaften, in denen auch schon mal ein Saxophon die Tonart angibt. Vor Jahren hätte er diese niemals bereist. “Rockig sein” zählte nie zu seinen Prioritäten, doch im Alter versucht er vielleicht mit dem Gehassten der Jugend ins Reine zu kommen.
Sucht man beim ersten Hören noch nach Hits, singt man beim zweiten Durchlauf schon aus vollem Halse mit. Doch sperrig bleiben die Songs allemal. Jarvis verlässt alte Strickmuster und bedient sich bei noch älteren. Nicht alle Pulp-Jünger werden ihm folgen. Vielleicht sollte er mit Obermacho Jon Spencer gemeinsam auf Tour gehen. Der Postfeminist und der Macho. Ein wunderschönes Bild.
Rock on!
Erschienen bei Rough Trade

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